Alles, was ich gelernt habe, in 12 einfachen Regeln, die dir helfen, Texte wie ein Profi zu gestalten. Eine gut lesbare Typografie ist nicht schwer, wenn man ein paar Grundregeln befolgt.
Inhaltsverzeichnis
- Schriftart
- Anzahl der Schriften
- Schriftgrößen
- Zeilenlänge
- Zeilenabstand
- Flattersatz / Blocksatz
- Linksbündig
- Ausrichtung an Achsen
- Lücken beachten
- Schriftschnitt überspringen
- Genug Weißraum
- Linien und Flächen
1. Schriftart

- Wähle eine Schriftart, die stilistisch zum Inhalt passt.
- Schriften ohne Serifen wirken oft modern und fortschrittlich (Beispiele: Helvetica, Futura).
- Schriften mit Serifen wirken oft klassisch, historisch oder konservativ (Beispiele: Times, Baskerville).
- Nutze keine Handschriften, Schreibschriften oder experimentelle Schriften für den Fließtext.
- Die Wirkung und Vielfalt von Schriften ist hier extrem vereinfacht und oberflächlich beschrieben. Informiere dich zu den historischen Bezügen und zur Entstehungsgeschichte der Schrift.
2. Anzahl der Schriften

- In den meisten Fällen reicht eine Schrift mit ihren Schriftschnitten (zum Beispiel Regular, Bold, Italic, Black) für eine vielfältige typografische Gestaltung aus.
- Wenn du Schriften kombinierst, nutze nie zwei serifenlose oder zwei Serifenschriften zusammen.
- Wenn du eine Kombination aus serifenloser Schrift und Serifenschrift nutzen möchtest, greife auf Schriftfamilien zurück, die beide Varianten enthalten, z. B. Rotis Serif und Rotis Sans Serif.
3. Schriftgröße

- Lege zunächst die Schriftgröße der Leseschrift fest.
- Leseschrift für Druckmedien (Flyer, Buch, Katalog): 8 – 12 pt
- Leseschrift für digitale Medien (Websites, Apps): 16 – 21 px
- Überschriften und Titel sind größer – Fußnoten und das Kleingedruckte kleiner.
- Überschriften: Multipliziere die Größe der Leseschrift mit dem Faktor 2, 4 oder 1,681 (harmonische Proportion des Goldenen Schnitts). Für eine starke Hervorhebung kann die Schriftgröße auch verdreifacht oder vervierfacht werden.
4. Zeilenlänge

- Die Zeilenlänge darf maximal 60 – 80 Zeichen pro Zeile (am besten unter 70) haben.
- Längere Zeilen erschweren die Lesbarkeit.
5. Zeilenabstand

- Der Zeilenabstand der Leseschrift beträgt 120 – 140 % der Schriftgröße.
- Dreisatz-Berechnung für die Schriftgröße von 10 px, die 140 % Zeilenabstand haben soll:
10 × 140 ÷ 100 = 14 px Zeilenabstand - Längere Zeilen erfordern einen größeren Zeilenabstand.
- Setze Überschriften in einem etwas kleinerem Zeilenabstand von ca. 110 %.
6. Flattersatz / Blocksatz

- Flattersatz ist insbesondere für schmale Textblöcke besser.
- Blocksatz kann unschöne Lücken zwischen Wörtern erzeugen – vor allem in digitalen Medien, deren Inhalte sich flexibel an die Bildschirmgröße des Endgeräts anpassen.
7. Linksbündig

- Richte längere Texte immer linksbündig aus. In westlichen Kulturen lesen Menschen von links nach rechts, daher erleichtert dies die Lesbarkeit.
- In westlichen Kulturen lesen Menschen von links nach rechts, daher erleichtert dies die Lesbarkeit.
8. Ausrichtung an Achsen

- Ordne Textelemente entlang einer Hauptachse an und richte sie aus.
- Bei vertikalen Achsen wird die Schrift am linken Rand ausgerichtet.
- Bei horizontalen Achsen richtet sich die Typografie an der Grundlinie oder Großbuchstaben-Höhe aus.
9. Lücken beachten

- Abstände und Negativraum spielen eine große Rolle in der Typografie.
- Vermeide ungewollte Formen oder unschöne Winkel zwischen Zeilen.
- Achte darauf, dass keine einzelne Zeile oder ein einzelnes Wort am Absatzende stehen bleibt.
10. Schriftschnitt überspringen

- Beim Hervorheben von Texten gilt: Überspringe einen Schriftschnitt (z. B. von Light direkt zu Bold).
- Nutze nicht mehr als drei bis vier Schriftschnitte in einem Text.
11. Genug Weißraum

- Weißraum schafft Klarheit und sorgt für ein ruhiges Layout.
- Platziere wichtige inhaltliche Elemente nicht zu nah am Rand oder in den Ecken.
12. Linien und Flächen

- Nutze Linien oder Farbflächen, um zusammengehörige Inhalte optisch zu gruppieren.
- Ein ausgewogener Einsatz von Abständen sorgt für eine klare Struktur.
- Stricharten: Trennstrich (-) bei Worttrennungen (Beispiel: »Extra-Tipps«) und
Gedankenstrich (–) bei Einschüben, Bis-Angaben oder Zahlenangaben (z. B. »35 – 98«) - Anführungszeichen: Deutsch: „…“(traditionell) oder »…« (modern) / Schweiz: «…» / Englisch: “…”
- ß und Großbuchstaben: Falls eine Schriftart kein großes »ß« unterstützt, schreibe stattdessen »SS« (Beispiel: »GROSS« anstatt »GROß«)
- Kostenfrei nutzbare Schriften mit vielen Schriftschnitten, die in der Regel auch gewerblich genutzt werden dürfen, findest du in der Schriftsammlung Google Fonts.
Diese Regeln helfen dir dabei, Texte optisch ansprechend und professionell lesbar zu gestalten. Mit etwas Übung wirst du schnell feststellen, dass gute Typografie kein Hexenwerk ist! Wenn du erstmal etwas Übung in der Textgestaltung bekommen hast, vertiefe dein Know-How mit folgend empfohlener Literatur zur Typografie.
Philip Esch | 01. April 2025
Empfohlene Literatur
De Jong, Stephanie / de Jong, Ralf (2008): Schriftwechsel. Schrift sehen, verstehen, wählen und vermitteln. Mainz: Herrmann Schmidt Verlag.
Forssmann, Friedrich / de Jong, Ralf (2004): Detailtypografie. Mainz: Hermann Schmidt, 3. Auflage.
Willberg, Hans Peter (2008): Wegweiser Schrift: Erste Hilfe für den Umgang mit Schriften. Was passt – was wirkt – was stört. Mainz: Hermann Schmidt Verlag; 3. Auflage.
Willberg, Hans Peter / Forssman, Friedrich (2005): Lesetypografie. Mainz: Hermann Schmidt Verlag.